Schwerpunkte in der Arbeit mit Tierschutzhunden

Vorausschicken möchte ich an dieser Stelle, dass ein Hund aus dem Tierschutz keinesfalls prinzipiell in Problemhund ist - dies muss unbedingt gesagt sein, denn somit ist eines der Vorurteile gegen Tierschutzhunde von vornherein ad absurdum geführt. Außerdem - seien wir doch mal ehrlich - alle haben das eine oder andere Problem(chen), denn nobody is perfect  (was für Mensch und Tier gilt)! Im Allgemeinen sind die "normalen" Tierschutzhunde auch leichter vermittelbar - dass dies für sog. "Problemhunde" ebenfalls möglich wird, dafür setzt sich der Verein Schlaubetal-Caniden  ein.

In erster Linie nehme ich mich der unsicheren und ängstlichen Hunde an, bes. derer mit (deprivationsbedingten) Angststörungen unterschiedlichster Ausprägung. Durch die jahrelange Betreuung von Deprivationshunden aus dem Tierschutz wurde ich nolens volens zur Spezialistin auf diesem Gebiet und möchte nunmehr mein Wissen und meine Erfahrungen - zum Wohle von Tierschutzhunden und ebenso zur Unterstützung verzweifelter und hoffnungsloser Tierheimmitarbeiter*innen und Hundehalter*innen - weitergeben.

Jedoch zwischendurch arbeite ich ganz gerne auch mit sog. "normalen" Hunden;-) Und am meisten Freude bereitet es mir, wenn ich einen Hund aus dem Tierschutz erfolgreich zum Servicehund oder zum Helping Dog ausbilde:-)

Zusammenarbeit mit Tierheimen

Da der Verein Schlaubetal-Caniden e.V. sich aktiv für den Tierschutz einsetzt, bieten wir Tierheimen nicht nur Pflegestellen für Hunde, sondern auch besondere Trainingsprogramme vor Ort an. Ebenso werden Menschen, die einen Hund (oder mehrere Hunde) aus dem Tierheim zu sich genommen haben oder daran denken, dies zu tun, von uns durch ermäßigte Trainingskosten vorab, bei der Eingewöhnung, bei der Alltagserziehung und bei Problemen unterstützt.

Zurzeit arbeite ich mit dem Tierheim am See in Eisenhüttenstadt zusammen.

Hundetraining für Tierheime

Basistraining für Tierheimhunde dient natürlich prinzipiell dazu, deren Vermittlungschancen zu erhöhen, in erster Linie aber soll es den Hunden selbst mehr Lebensqualität bringen. Hunde, die im Tierheim ganz besonders gestresst sind, alte und/oder gehandicapte Hunde, Auslandshunde und v.a. Angsthunde sowie andere sog. "Problemhunde" brauchen spezielle Betreuung. Dazu will und kann der Verein Schlaubetal-Caniden e.V. einen Beitrag leisten - entweder als "Mobiles Hundetraining" vor Ort oder im vereinseigenen Trainingsbereich, wohin (ehrenamtliche) Tierheimmitarbeiter*innen die Hunde stundenweisebringen können (sofern Autofahren ihnen keinen Stress macht - in diesemFall müsste zuvor ein behutsames Auto-Training im Tierheim stattfinden).

Auf der Basis von aktuellen und fundierten kynologische und lerntheoretischen Erkenntnissen arbeite ich mit Hunden selbstverständlich absolut gewaltfrei und grundsätzlich freundlich, ruhig und einfühlsam inswesensgemäßer, spielerischer und positiver Weise, wobei ich von der momentanen Situation und Befindlichkeit des Tieres ausgehe und das Training demgemäß individuell adaptiere.

Zu Beginn wird anhand der Wünsche und Zielvorstellungen des Tierheims und nach Kennenlernen des Hundes (ev. auch mithilfe funktionaler Verhaltensanalyse) ein Trainingsplan erstellt, den ich mit den Tierheimmitarbeiter*innen bespreche (dabei sind natürlich auch noch Änderungen in der Trainingsgestaltung möglich) - nach "Stundenplan"-Vereinbarung kann dasHundetraining starten, im Allgemeinen - v.a. anfänglich - nur in Form von Einzeltraining.

Auch die Tierheimmitarbeiter*innen werden in das Training miteinbezogen: zum einen sollen die Hunde nicht nur zu mirVertrauen aufbauen, sondern ebenso zu anderen Menschen, des weiteren ist es nötig, die Übungen in gewohnter Weise mehrmals täglich jeweils für ein paar Minuten (anfangs häufig sogar nur ein paar Sekunden) mit den Hunden durchzuführen, damit tatsächlich ein Lernprozess entstehen kann.

Das Trainingsprogramm ist ehrenamtlich, d.h. es entstehen dem Tierheim dadurch keine Kosten. Behinderungsbedingt ist es mir leider nur möglich, nahe gelegene Tierheime zu besuchen und das keinesfalls täglich. Aber wenn Sie als Tierheimleiter*in - wo immer auch - Bedarf sehen, kontaktieren Sie mich doch einfach! Gemeinsam finden wir sicherlich eine gute Lösung - manchmal reicht schon ein Gespräch, ein besonderer Tipp oder eine Buchempfehlung, zudem kann ich Sie über mein Netzwerk an kompetente Kolleg*innen in Ihrer Nähe vermitteln oder es findet sich eine Betreuungsperson, die mit ihrem ganz speziellen "Sorgenkind" einige Tage bei Schalubetal-Caniden e.V. verbringt.

Trainingsprogramme für Tierheime

Doggy-ABC

Erlernen wesentlicher Stimm- und Handsignale, z.B.:

- Reagieren auf den Namen

- Blickkontakt

- Rückruf

- Warten

- Bleiben

- Stillhalten

- Etwas hergeben

- Locker an der Leine

- und natürlich auch Sitz & Platz

(Unsichtbare) Leine

Leinenführigkeit gehört zur Grundausbildung, denn in vielen Alltagssituationen ist es notwendig oder sogar unerlässlich, dass Hunde an der Leine sind:

 

- spielerisches Kennenlernen und schrittweises Anlegen von Brustgeschirr und Leine

- Locker an der Leine

- Blickkontakt

- Rückruf

- Schleppleine

- "Unsichtbare" Leine


Anti-Stress-Trainingsprogramme

Für mehr Ausgeglichenheit:

- "Stressfrei" für extrem nervöse Hunde

- "Mutmacher" für ängstliche Hunde

- "Zappelphilipp" für hyperaktive Hunde

- "Impulskontrolle" für Hunde, die sich situationsunangepasst und ungehemmt verhalten

- "Hütehunde-Powertraining" für übereifrige "Workaholics" (Hüteveranlagung ausleben - ganz ohne Schafe & Co.)

- und für alle Hunde, die schnell gestresst sind:

- Konditionierte Entspannung

- Marker- bzw. Clickertraining

- Social Walks

Alltagsgewöhnung, insbes. für Angsthunde

Nach funktionaler Verhaltensanalyse wird ein individuelles verhaltenstherapeutisches Programm erstellt:

- Aufbau des Selbstvertrauens und des Vertrauens zum Menschen

- Stressreduktion (z.B. Konditionierte Entspannung)

- Systematische Desensibilisierung

- Gegenkonditionierung

- Alternativverhalten als Coping-Strategie

- Marker- bzw. Clickertraining

- Habituation & Ritualisierung

- Lernen durch Nachahmung

[je nach Bedarf auch Naturheilkunde, Medikation (nur mit tierärztlicher Absprache), Massagen, Tellington-Touch, Hilfsmittel (z.B. Bandagen, Körpershirts) usw.]


Dogwalker-Schulungen für "Gassigeher*innen"

Spaziergänge stellen für Tierschutzhunde eine wertvolle Bereicherung dar: sie ermöglichen "Zeitunglesen", bieten Abwechslung und Frohsinn,  also eine "Auszeit"vom Tierheimalltag - was jedoch nicht zu einer zusätzlichen Stressbelastung führen darf. Die Hunde sollen keinesfalls in ständiger Erwartungsangst leben, wer denn nun wieder was von ihnen will! Deshalb ist es wichtig, die Helfer*innen auf ein gemeinsames Ausbildungsniveau zu bringen (erstrebenswert wären Stammgassigeher*innen, welche die Hunderegelmäßig ausführen - somit haben sie die Möglichkeit, sich aneinander zu gewöhnen und einander wirklich kennenzulernen).

Um den Hunden Sicherheit zu vermitteln,werden gewisseAbläufe von allen Mitarbeiter*innen stets gleich gestaltet - quasi wie Rituale. Die Tiere wissen dann, worauf sie sich einstellen und dass sie dieSpaziergänge einfach genießen können.

Ganz besonders wichtig ist das Kennenlernen, Üben und richtige Anwenden der Regeln für respektvollen, achtsamen und sanften Umgang sowie freundlichen, ruhigen und angenehmen Umgangston mit Hunden. So werden die Ausflüge mit den fremden Menschen langsam zu etwas Vertrautem und fördern das Wohlbefinden der Tierheimhunde.

Kinder dürfen Hunde nur in Begleitung eines Erwachsenen ausführen, wenn beide die Gassigeher*innen-Schuleung absolviert haben.

 

Zielpersonen:

Ehrenamtliche Mitarbeiter*innen, die gerne mit Hunden spazierengehen und an der Dogwalker-Schulung teilgenommen haben (der Einführungskurs für Dogwalker findet zu festgesetzten Terminen an zwei aufeinanderfolgenden Nachmittagen bzw. Abenden statt und ist kostenfrei).

Pflegestellen für Tierheimhunde - Schulungen und Fortbildungen

Sie spielen mit dem Gedanken, einen Pflegehund aus dem Tierheim bei sich aufzunehmen? In der Pflegestellen-Schulung erfahren Sie, welche Voraussetzungen dafür nötig sind, welche Vorbereitungen Sie zu treffen haben, wie Sie die nötige Sicherheit gewährleisten, wie Sie das erste Kennenlernen und die Eingewöhnungsphase am angenehmsten für den Pflegehund (und etwaige andere Tiere im Haus) durchführen, welche Methoden es zum Stressabbau gibt, wie Sie den Pflegehund richtig fördern (ohne ihn zu über- bzw. unterfordern), was Sie bei auftretenden Problemen am besten machen und wie Sie mithelfen, ein neues Zuhause, einen Dauerplatz für Ihren Pflegehund zu finden.

Aber auch erfahrene Pflegestellen-Betreuer*innen können die Möglichkeit nutzen, dazu zu lernen. In diesen Pflegestellen-Fortbildungen wird über spezifische Integrationsprobleme bei (Pflege-)Hunden sowie über allgemeine kynologische, also Hunde-Themen referiert, z.B. Ausdrucksverhalten, Lernen, Training, Ernährung etc. - man lernt ja bekanntlich nie aus;-)

Alle Schulungen und Weiterbildungen beruhen auf multimedialen interaktiven Vorträgen, wo viele Fotos und Videos zur Anschauung gezeigt, ebenso Trockentraining, Rollenspiele und weitere Praxisübungen durchgeführt werden. Fragen sind selbstverständlich immer willkommen.

Termine werden rechtzeitig bekanntgegeben.